Das letzte Buch, das ich mit großem Vergnügen gelesen habe und für zwingend empfehlenswert halte, ist "Jeschua" von Horst Jüssen.
Ja, richtig, gelesen; jenem Horst Jüssen, den ähnlich alte Rochen wie ich noch als Flitzpiepe von "Klimbim" kennen, wenngleich unser Augenmerk seinerzeit wohl eher Frau Steeger und Frau Volkmann gegolten haben dürfte.
Der mittlerweile Verstorbene hat 2001 ein herrliches Romandebüt vorgelegt, in welchem er die Jesus-Geschichte einmal ganz anders erzählt: Man stelle sich vor, dass die uns als Jünger bekannten Männer tatsächlich eine Gruppe Manager und Organisatoren waren, die einen beliebigen Wanderprediger aus dem Volk mit relativ modernen Mitteln zum Messias aufbauen wollen...
Zu einem Zeitpunkt, da das Thema Populismus aktueller denn je ist, macht dieses Buch - welches wie das
Lied von Eis und Feuer (aka Game of Thrones) kapitelweise stets aus der Ich-Persektive eines der Protagonisten und auch Antagonisten erzählt wird und somit kein Gut und Böse-Szenario, sondern nur diverse Interessen zeigt - ganz besonders viel Spaß.
Jüssen gelingt es tatsächlich, vorm inneren Auge ein hochlebendiges Bild der damaligen Verhältnisse zu zeichnen, und auch wenn der Ausgang der Geschichte bekannt ist, bleibt man bis zur letzten Zeile an diesem Buch kleben.
Das verdankt "Jeschua" jedoch ganz offenkundig keinem Lektor, denn in diesem Buch wimmelt es vor Formfehlern, die Interpunktion ist eine durchgehende Katastrophe, und leider hätte es auch zwei oder drei inhalticher Korrekturen gebraucht; vom "gedruckten Wort" über tausend Jahre vor der Buchdruckkunst zu sprechen, ist einfach unglücklich.
Wer über diese kleinen Brüche hinweg lesen kann, wird mit einem wirklich guten Buch belohnt, das über 400 Seiten zu fesseln vermag!
Da dieses Buch in einem mir sehr dubios anmutenden Verlag erschienen ist, dem man rechtsesoterische Absichten nachsagt, empfehle ich, "Jeschua" unbedingt aus zweiter Hand zu kaufen, zumal es dieses Druckerzeugnis so sehr günstig zu erwerben gibt.
Lieben Gruß und viel Lesespaß,
Michael.